31 Juli 2026

06 - Fußboden & Dämmung

Nachdem im Innenraum alle Roststellen behandelt waren und das Bodenblech in neuem Farbglanz erstrahlte, erschien es sinnvoll, einen Fußboden herzustellen, um eine ebene Fläche für das Aufstellen der einzelnen „Möbelstücke“ zu haben.
Schon wegen der Längsrillen war das Bodenblech nicht geeignet. Zudem sollte das Basisfahrzeug mit einer Dämmung versehen werden, um ein wohliges Raumklima zu bekommen. Dabei ist zu beachten, dass die Dämmung hinreichend vor Beschädigungen geschützt ist. Da aber der Innenausbau sicher befestigt werden muss - Thema Ladungssicherung - musste der Bodenaufbau ohnehin um eine Bodenplatte ergänzt werden.

Kommen wir zunächst zur Dämmung:
Hier kam mir mein Wissen aus meinem Studium zum Bauingenieur zu Gute. Ich wusste worauf es bei der Dämmung ankommt und wie die einzelnen Parameter, wie Wärmeleitfähigkeit und Dampfdiffusionswiderstand, zu bewerten sind. Dennoch gab es für mich ein Problem. Bauphysikalisch sollte eine Dämmung immer außen angebracht werden. Warum das so ist, soll aber nicht Thema dieser Website sein.
Somit war es nicht möglich gewöhnliche Dämmung zu kaufen und zu verbauen. Zumal dann je nach Qualität erhebliche Dämmstärken erforderlich wären. Bei einem Haus sind es meist schon 20cm und mehr. Also musste ich mich im Internet nach alternativen Möglichkeiten umsehen. Da der Ausbau eines Campers nichts Ungewöhnliches ist, findet man hier schnell alle Informationen.
Ja, auch das Dämmen mit Naturprodukten wie Hanf und Schafswolle, aber auch die Verwendung von Styropor und Glaswolle werden erwähnt. Ein Produkt wird aber besonders häufig verwendet. Vermutlich liegt es an der Kombination der Eigenschaften.
Es hat eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit und somit ist die Dämmwirkung hoch. Zudem ist der Dampfdiffusionswiderstand hoch und das Produkt nimmt keine Feuchtigkeit auf. Außerdem gibt es das Produkt auch als selbstklebende Variante, was die Verarbeitung deutlich verbessert.
Somit entschied auch ich mich für das Produkt Armaflex XG von Armacell in der Stärke 19mm. Zusätzlich wurde noch das Armaflex Klebeband gekauft um Holme und ähnliches mit einer minimalen Dämmung versehen zu können. Für die Stöße kam noch ein alukaschiertes Klebeband hinzu.

Um die Bodenplatte später ohne Beschädigung der Dämmung sicher mit der Karosserie zu verbinden, musste zunächst eine Lattung eingebaut werden. Hierzu wurden einfache Dachlatten verwendet, die mit Hilfe von Nietmuttern an das Bodenblech geschraubt wurden. Im Anschluss konnten die Flächen zwischen den Latten mit Dämmung versehen werden und zum Schluss die Bodenplatte aufgelegt und mit der Lattung fest verschraubt werden.
Klingt eigentlich ganz simpel, dauerte aber trotzdem einige Zeit, wenn man alles allein machen will.

Vor allem das passende Zuschneiden der Bodenplatte war überaus mühselig. Ich verwendete hier Siebdruckplatten mit 18mm Stärke. Diese sind sehr biegesteif und durch ihre Beschichtung wasserfest. Leider, oder vielleicht auch zum Glück, gab es die Platten nicht in der passenden Größe. Daher musste ich gleich zwei kaufen und reichlich Verschnitt hinnehmen. Andererseits waren bereits diese Platten extrem unhandlich und schwer, sodass ich meine liebe Mühe hatte, diese in den Bulli zu wuchten.
Auch bei der Bearbeitung war dies zunächst recht hinderlich. Erst als ich die Platten zumindest auf Länge geschnitten hatte, war das Arbeiten etwas leichter. Allerdings erforderte das Anpassen der Platten an die Konturen des Bodens viel Zeit. Wiederholt musste ich Maß nehmen und die Platten bearbeiten.
Nachdem die Platten endlich wunschgemäß zugeschnitten waren, konnten die Schrauben vorgebohrt und dann die Platten verschraubt werden. Am Ende war ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Nun, da die Bodenplatten angepasst und eingebaut waren und somit keinen Schmutz mehr machten, konnte die Dämmung des Bodens folgen. Die Dämmung wird in Rollen geliefert und lässt sich mit einem Keramikmesser problemlos zuschneiden. Aufgrund ihrer Flexibilität passt sich die Dämmung anschließend der Form des Untergrundes an.
Vor dem Verkleben sollte jedoch der Untergrund gründlich gereinigt werden, um eine gute Haftung zu gewährleisten. Beim Verkleben sollte man dann abschnittsweise vorgehen. Die Schutzfolie wird zunächst nur an einer Seite oder Ecke entfernt, diese passend ausgerichtet und angedrückt. Dann kann die Schutzfolie nach und nach abgezogen und die Dämmung sorgfälltig verklebt werden.
Zudem sollte man darauf achten, dass zwischen einzelnen Stücken keine Lücken bleiben. Diese sollten ggf. mit Resten ausgestopft werden. Zum Schluss noch die Stöße mit alukaschiertem Klebeband überkleben, um ein Eindringen von Feuchtigkeit an diesen Stellen zu verhindern, fertig ist die Bodendämmung.

Der Boden ist jetzt gedämmt und eine ebene Fläche für den Ausbau geschaffen. Nun fehlten noch die Seitenwände, Türen und das Dach. Da ich mir hier noch nicht sicher war, ob ich die Dämmung aufs Blech kleben soll oder vielleicht besser auf die Verkleidung, wurde dies zunächst zurückgestellt.
Erst zusammen mit Andrea habe ich die Arbeiten dann in Angriff genommen. Aufgrund der vielen Verstrebungen waren hier dann auch die kleineren Hände von Vorteil. Zudem erwiesen sich die Verstrebungen als so stark, dass gleich zwei Schichten Dämmung aufgebracht werden konnten.

Fußboden und Dämmung sind eingebaut. Endlich war es möglich, genau Maß zu nehmen für die Möbel. Hierzu zeichnete ich mir auf der Bodenplatte eine Mittellinie sowie bei 1,80m vom Heck eine Querlinie ein. Von diesen Linien aus wurden in der Folge alle Maße genommen.

12 Juli 2026

05 - Rost, Rost, Rost

Dass ein Auto aus dem Jahr 1995 Roststellen hat, war mir von Anfang an klar. Und bei der Suche nach dem richtigen Basisfahrzeug hatte ich Fahrzeuge gesehen, bei denen nur noch der Lack alles zusammengehalten hat. Bei vielen war auf den ersten Blick erkennbar, dass ich um einen umfangreichen Werkstattbesuch nicht herumkommen würde. Es hätten neue Bleche eingeschweißt werden und somit eine neue Lackierung sein müssen.

Auch mein neuer Bulli hatte Roststellen. Der Verkäufer hat diese auch gar nicht erst verheimlichen wollen. Aber es waren nur kleine unbedeutende Stellen und ich war mir sicher, diese leicht ausbessern zu können. Da es mir nicht um einen perfekten Außenlook ging - Schrammen wird er mit der Zeit ohnehin bekommen - dürfen später ausgebesserte Stellen ruhig erkennbar sein.

Ich war mir daher bewusst, dass ich unter dem Bodenbelag und hinter den Verkleidungen wohl auf weiteren Rost stoßen werde. Da äußerlich nichts zu sehen war, befürchtete ich aber, nichts Wildes zu finden.

Beim Ausbau der Sitze konnte ich auch nur Rost an den Schrauben feststellen und auch als der Bodenbelag weg war, war offenbar nur oberflächlicher Rost vorhanden. Nur bei beiden Radkästen entdeckte ich Lackablösungen. Da diese auf beiden Seiten existierten und der Bereich sich nicht nach Blech anhörte, nahm ich an, dass ich die Ablösungen einfach entfernen kann und dann neu lackiere. Ich vermutete, dass hier Schraubenköpfe zum Schutz abgedeckt und später überlackiert wurden. Doch als ich vorsichtig die losen Bestandteile entfernen wollte, konnte ich plötzlich den Straßenbelag und den Reifen sehen. Oh mein Gott! Wie es scheint war hier bereits das Blech durchgerostet und die Stellen wurden mit einem Spachtel oder Ähnlichem verschlossen und reprofiliert.

Dies war einer der Tage, an denen ich an dem ganzen Projekt zweifelte. Wie schlimm sind die Stellen? Gibt es noch mehr davon? Wie soll ich das bloß reparieren? Schleifen und lackieren traute ich mir zu, aber hier mussten neue Bleche eingeschweißt werden. Ich habe weder ein Schweißgerät, noch kann ich schweißen. Es hilft also alles nichts. Damit musste ich in eine Werkstatt. Derartige Rostschäden sollten ein Profi beheben. Nur so ist sichergestellt, dass der Rost vollständig beseitigt und die Karosserie wieder stabil ist. Zum Glück fand ich eine Werkstatt, die mir nicht gleich Unsummen abknöpfte.

Nachdem die Löcher fachgerecht repariert waren, konnte ich mich um den restlichen Rost kümmern. Abgesehen vom Boden konnte ich keinen Rost feststellen, sodass es ausreichen dürfte, nur den Boden mit Rostschutz zu behandeln. Als erstes reinigte ich den kompletten Boden, um die Roststellen leichter identifizieren zu können. Den oberflächlichen Rost konnte ich leicht mit einem Schleifschwamm entfernen. Grobere Stellen bearbeitete ich mit einen Drahtaufsatz für die Bohrmaschine. Nachdem alle Roststellen schön blank waren, trug ich zur Sicherheit einen Rostumwandler auf. Für den Anstrich musste nun der Boden einmal komplett angeraut, sprich angeschliffen, werden. Wegen der Form des Bodens war dies nur mit einem Schleifschwamm von Hand möglich. Also, ab auf die Knie und schleifen, schleifen, schleifen. Nach rund zwei Stunden waren die Arme lahm und der Boden endlich angeschliffen. Jetzt musste aber der Schleifstaub vollständig entfernt werden. Zunächst wurde der Boden gefegt und dann mit Wasser und Schwamm gründlich gereinigt. Zuletzt wurde mit einem Silikonentferner auch das letzte bisschen Fett entfernt. Nun fehlte noch das Abkleben, dann konnte die erste Lackschicht aufgetragen werden. Auch hierfür musste ich auf einen Pinsel zurückgreifen, da es mit Rolle unmöglich war. Am dritten Tag und nach einer zweiten Lackschicht war es vollbracht. Der Boden erstrahlte in neuem Glanz und alle Roststellen waren vor neuem Rost geschützt.

Während der Trocknungsphasen kümmerte ich mich schon mal um eine der äußeren Roststellen. Nach der Entdeckung im Innenraum schwante mir zwar Böses, aber es musste ja sein. Doch als ich mit dem Drahtaufsatz den Rost entfernte, stieß ich sofort auf blankes Blech. Der Schaden war also überschaubar. Eine Schicht Rostschutzlack sollte neuen Rost verhindern. Dann folgte ein Füllerspray, das die schlimmsten Unebenheiten ausglich. Anschließend folgten Farb- und Klarlack in dünnen Schichten und die Stelle war zu meiner Zufriedenheit nachgebessert.

Ich schätze, dass kann sich sehen lassen. Nach diesem Abendteuer war ich doch wieder von dem Projekt überzeugt. Als nächstes sollte der neue Lack im Innenraum geschützt werden. Daher sollte nun der Boden eingebaut werden.

06 Juli 2026

04 - Die Entkernung

Das Auto war da, also konnte endlich mit dem Umbau begonnen werden. Nun gut, treten wir mal auf die Bremse. Denn vor dem Umbau kommt der Abriss bzw. die Entkernung. Das Fahrzeug muss auf den Rohbau zurück.

Neben den Sitzbänken im Fond und dem Regal im Kofferraum mussten die Seitenverkleidungen und der Bodenbelag raus. Den Fahrerbereich ließ ich zunächst unangetastet, sodass das Auto fahrbereit blieb. Als Sitze und Bodenbelag entfernt waren, tauchten unzählige Kabel auf. Wofür sind die? Werden sie noch benötigt? Da leider Beschriftungen fehlten, blieb nur suchen.

Viele der Kabel endeten unter dem Fahrersitz, wo sich eine Zusatzbatterie befand. Offenbar wurden damit zuvor die technischen Gerätschaften versorgt, denn die anderen Enden der Kabel hingen hinter der Verkleidung in der Luft. Kurzerhand kam der Seitenschneider zum Einsatz und ab waren die lästigen Kabel. Andere waren weniger eindeutig. Hier musste etwas länger gesucht werden.

Als schließlich auch die Deckenverkleidung herunter war, konnten auch die letzten Kabel zugeordnet und die nicht benötigten entfernt werden. Nur ein Kabel machte mir Sorgen. Seine Herkunft konnte ich nicht zweifelsfrei bestimmen. Ich vermutete, dass es zur Heckscheibenheizung gehörte. Allerdings war es an der Zusatzbatterie angeschlossen und nirgends war ein Schalter hierfür zu finden. Tja, so ist es, wenn man keine Neuware kauft. Also blieb es vorläufig isoliert und aufgerollt im hinteren Bereich hängen.

Neben den Kabeln wurde auch gleich die Zusatzbatterie ausgebaut. Mit nur 50 Ah und zudem eine AGM-Batterie ist diese für meine Pläne ungeeignet. Mir schwebte eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie - kurz LiFePO4 - mit mindestens 200 Ah vor. Auch die nutzlosen Lautsprecher im Heck, die Funktechnik und die Verkabelung der Sondersignalanlage wurden ausgebaut.
Die Kabel und Kleinteile wurden direkt entsorgt. Der Bodenbelag sowie die Verkleidungen wurden zunächst aufgehoben. Sie sollten später als Schablonen für die Bodenplatten und die neuen Verkleidungen dienen.

Nun, da die Entkernung abgeschlossen war, konnte endlich Maß genommen werden. Endlich war klar, welche festen Einbauten zu berücksichtigen sind. Und im Kopf entstand schon der Einbau: Bett, Schrank, Küche - alles muss hineinpassen. Stromversorgung und Toilette sollten auch nicht fehlen. Irgendwo müssen der Kocher und eine Kühlbox hin. Eine Spüle wäre schön. Also messen, messen, messen! Wie breit sind die Schiebetüren? Wie viel Platz ist zwischen den Radkästen? Und wie hoch ist überhaupt der Innenraum?

Leider war die Entkernung nicht nur der Beginn des Ausbaus. Sie war auch der Beginn der Zweifel. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag.

27 Juni 2026

004 - Es ist Zeit für ein weiteres Abenteuer

Motorradführerschein im Intensivkurs – Unsere Erfahrungen mit ARLITT in Berlin


Warum wir den Motorradführerschein machen wollten

Schon im Zuge unserer Planung für diese Reise hatten wir uns das Ziel gesteckt, einen Motorradführerschein zu machen. Andrea hatte bereits in jungen Jahren damit begonnen, konnte diesen aber aus zeitlichen Gründen nicht abschließen. Frank hingegen hatte zwar auch schon immer damit geliebäugelt, aber nie den Schritt gewagt. Da uns jedoch klar war, dass wir auf der Reise evtl. in die Verlegenheit kommen würden, irgendwo mal eine Tour mit einem Roller machen zu wollen oder gar eine nette Strecke finden, die mit Motorrad doppelt Spaß machen würde, wollten wir uns das Wissen und die Technik hierfür aneignen, um sicher und souverän unterwegs zu sein.

Jetzt wollten wir aber nicht eine klassische Ausbildung beginnen und alle paar Tage eine Fahrstunde haben. Zeitlich flexibel wollten wir lieber die Fahrstunden gebündelt angehen und so rasch zum Ergebnis kommen. Bei unserer Recherche sind wir dann in Berlin auf ARLITT gestoßen. Die Fahrschule bietet einen 9-tägigen Intensivkurs an.
In einem ersten sehr informativen Zoom-Meeting wurde uns der Ablauf des Intensivkurses genauer erläutert und wir erhielten zahlreiche Hinweise, was wir bis zum Start erledigen müssten. Am Ende überzeugte uns vor allem, dass die ersten Fahrübungen nicht im öffentlichen Verkehrsraum stattfinden, sondern auf einem ehemaligen Militärflugplatz. Ohne lange Bedenkzeit meldeten wir uns für den Kurs Mitte Juli 2025 an.

Das solltet ihr vorher erledigen

  • Sehtest
  • Erste-Hilfe-Kurs
  • Passbild
  • Führerscheinstelle
  • Theorie lernen
  • Motorradbekleidung

Anmeldung und Bürokratie

Jetzt hieß es, alle notwendigen Voraussetzungen zu erfüllen. So benötigten wir einen aktuellen Sehtest, den wir in Augsburg bei Optik Mühler machten. Dann war ein Erste-Hilfe-Kurs notwendig. Zwar wussten wir eigentlich noch alles, dennoch mussten wir einen ganzen Samstag hierfür opfern.
Mit diesen Nachweisen und einem aktuellem Passbild musste dann noch die behördliche Anmeldung zur Führerscheinprüfung erfolgen. Wer jetzt denkt, im Zeitalter der Digitalisierung wäre es egal, wo die Anmeldung erfolgt, der ist gewaltig auf dem Holzweg. Die Anmeldung muss bei der zuständigen Führerscheinstelle am Wohnort des Prüflings erfolgen. Gleichzeitig ist aber dort nur dann eine Anmeldung möglich, wenn auch die Prüfung dort stattfinden wird. Soll heißen, wenn die Prüfung wegen der Fahrschule in Berlin erfolgt, dann muss man sich in Berlin oder Brandenburg bei der Führerscheinstelle anmelden. Da die Bearbeitung der Anmeldung regelmäßig satte 6 Wochen dauert - weiß der Geier warum - ist es nicht ratsam sich zuvor z.B. in Augsburg anzumelden, dort die Therorie zu machen und dann den Verwaltungsakt an die Behörde in Fürstenwalde weiterzureichen. Zum einen würde erneut die Bearbeitungsgebühr anfallen und zum anderen wieder eine Bearbeitungszeit von 6 Wochen entstehen. Also besser gleich da anmelden, wo man die Praxisprüfung ablegen wird.

Nun kann man natürlich nicht einfach bei der Behörde hereinspazieren und sich anmelden. Nein, erst benötigt man einen Termin, der online zu buchen ist. Da wir zu der Zeit noch in Stadtbergen gemeldet waren, war außerdem eine Ummeldung beim Einwohnermeldeamt notwendig. Da es sich um zwei verschiedene Ämter handelt, waren auch zwei Termine zu buchen. Bei der Führerscheinstelle gibt es Termine nur mit mehrwöchiger Vorlaufzeit, sodass dieser kurz vor unserer Kreuzfahrt von uns geblockt wurde. Für die Ummeldung nach Fürstenwalde hingegen können Termine erst zwei Wochen im Voraus gebucht werden. Somit mussten wir aus dem Urlaub heraus einen Termin so buchen, dass die Ummeldung bereits erfolgt ist, bevor es zur Führerscheinstelle geht. Puh, wie kompliziert. Am Ende lief dann aber alles wie geschmiert.


Theorie lernen

Jetzt waren wir Fürstenwalder, hatten uns sowohl zur Füherscheinprüfung bei der DEKRA als auch zur Fahrschule bei ARLITT angemeldet. Daraufhin erhielten wir von ARLITT den Zugang zu zwei Apps: Einerseits eine App für die Theorie. Dort konnten wir uns dann durch fast 1.000 Theoriefragen quälen. Es ist schon erstaunlich, wie schwer es uns fiel, obwohl wir aktive Autofahrer sind und das alles wissen sollten.
Andererseits erhielten wir eine App mit zahlreichen Videos aus dem späteren Prüfgebiet für die praktische Prüfung. Hier konnten wir uns bereits mit den Situationen etwas vertraut machen und unser zuvor erlerntes Theoriewissen anwenden und vertiefen.

Auch wenn wir beide im Besitz einer Fahrerlaubnis sind, mussten wir trotzdem diverse Theoriestunden nachweisen. Daher waren mehrere Ortstermine in der Fahrschule erforderlich, um die Voraussetzung für die Theorieprüfung zu erfüllen. Zusammen mit weiteren 20 Fahrschülern unterschiedlichen Alters drückten wir also wieder die Schulbank. Dabei lernten wir die Fahrlehrer und die Fahrschule näher kennen und waren immer mehr davon überzeugt, hier genau richtig zu sein.


Motorradbekleidung leihen

Neben den behördlichen Angelegenheiten und der Theorie mussten wir uns zusätzlich auch noch um passende und zulässige Motorradbekleidung kümmern. Es gibt inzwischen nur noch sehr wenige Fahrschulen, die die Bekleidung zur Verfügung stellen. Es wird immer davon ausgegangen, dass man sich seine eigene Kombi zulegt. Da wir jedoch nicht vorhatten, zwei komplette Sets Motorradbekleidung zu kaufen und im Genuss-Buss mitzunehmen, wollten wir diese gerne leihen. Nach intensiver Suche im Netz mussten wir feststellen, dass es nur einen einzigen Anbieter gibt. Über die Homepage von Motorradbekleidungsverleih luden wir eine umfangreiche Maßtabelle herunter, füllten diese gewissenhaft aus und sendeten beide per Mail zurück. Heike antwortete uns zeitnah und ließ uns wissen, dass die Sets rechtzeitig versendet werden.
Etwa eine Woche vor Beginn der Praxis wurden dann die Pakete verschickt. Leider ließ sich DHL mal wieder Zeit und wir bangten um unsere Teilnahme. Zwar hatten wir extra einen Ablageort eingetragen, um eine Zustellung zu garantieren. Aber da die Zustellung erst voraussichtlich am Samstag erfolgen sollte, schauten wir ständig im Handy nach, wo die Pakete blieben. Ein erstes Mal atmeten wir auf, als uns die Zustellung für die Mittagszeit angekündigt wurde. Als jedoch um 15 Uhr noch nicht zugestellt war und in der App eine Live-Verfolgung nicht mehr möglich war, wurden wir unruhig. Also versuchten wir DHL telefonisch zu erreichen. Während wir in der Warteschleife hingen, kam endlich die ersehnte Benachrichtigung, dass die Pakete abgestellt wurden. Nun stand dem Intensivkurs nichts mehr im Wege.


Der Intensivkurs bei ARLITT geht los

Die ersten Fahrstunden in Jüterbog

Am 14.07.2025 war es dann endlich soweit. Mit ARLITT ging es nach Jüterbog und auf den dortigen Übungsplatz. Vor Beginn wurden wir mehrfach darauf hingewiesen, dass der Kurs nicht umsonst „Intensivkurs“ heißt. Es sollte uns nicht nur in kurzer Zeit das Fahren mit einem Motorrad beigebracht werden, sondern es sollte auch intensiv werden. Bei der Ankunft auf dem Flugfeld standen bereits unsere Übungsmaschinen in Reih und Glied nebeneinander. Das sah schon ziemlich cool aus. Die Vorfreude aber auch der Respekt wuchsen von Minute zu Minute. Nach einer kurzen Einweisen durften dann die ersten Schüler an die Bikes und es folgten Übungen wie Auf- und Absteigen sowie Schieben und Stoppen, ohne das Motorrad umzuwerfen. Dann röhrten endlich zum ersten Mal die Motoren. Nach und nach erhielten wir alle die praktische Einweisung und durften dann erste Fahrversuche unternehmen.

Jetzt waren wir bereit, uns in die ersten Übungen zu stürzen. Immer im Kreis oder besser einem großen Rechteck übten wir abbiegen, bremsen und anhalten und wieder sanft anfahren. Der Umgang mit Kupplung, Bremse und Gas benötigt eine gute Koordination. Dabei lief nicht immer alles glatt. So lernten wir aber auch gleich, wie man ein Motorrad mit fast 200 kg auch als zierliche Frau wieder allein aufrichtet. Zum Glück hatten die Motorräder zusätzlich Schutzbügel aus Stahl, sodass wenigstens den Maschinen nicht allzu viel passieren konnte. Denn jeder hat sein Motorrad mal flachgelegt.
Nach der Mittagspause kamen dann neue Übungen hinzu.
Etwas überrascht sollten wir schon am ersten Tag freihändig fahren und das, obwohl wir gerade erst den grundsätzlichen Umgang mit dem Motorrad gelernt hatten. Als wir merkten, dass das problemlos möglich ist, machte es richtig Spaß. Aber was ist schon freihändig fahren? Kinderkram! Jetzt sollten wir beim freihändigen Fahren auch noch den Lenker mal links oder rechts wegdrücken (aber ja nicht festhalten) und damit einen Lenkimpuls erzeugen. Wir sollten erfahren, dass das Motorrad sofort wieder geradeaus fährt, wenn wir den Lenkimpuls beenden. Da kam schon ein gewisses Bauchkribbeln auf. Cool, was man uns da zumutet.
Zum Abschluss des ersten Tages sollten wir dann noch Schritttempo üben. Dazu reicht es nicht im ersten Gang das Motorrad rollen zu lassen. Das wäre mit 12 km/h schon viel zu schnell. Wir mussten jetzt gleichzeitig bremsen, etwas Gas geben und mit dem Schleifpunkt der Kupplung spielen. Erst wenn man durch Lenkbewegungen das Kippen der Maschine verhindern muss, hat man Schritttempo erreicht. Gar nicht so einfach, das zu koordinieren.


Andreas Verletzung

Am zweiten Tag stiegen wir direkt in die nächsten Übungen ein. Unter anderem eine Gefahrbremsung aus 50 km/h (bitte ohne umzufallen), enge Achten fahren, enges Abbiegen aus dem Stand und vieles mehr. Dabei erfuhren wir auch, dass das alles auch bei Regen funktioniert und Motorradbekleidung nicht regendicht ist. Aber wir waren alle angefixt und wollten gar nicht mehr runter von den Maschinen.
Nun hatten wir offenbar die wichtigsten Grundfahraufgaben erlernt und ARLITT steigerte die Anforderungen. Uns wurde ein umfangreicher Parcours aufgebaut und erklärt. Dieser beinhaltete alle bisherigen Übungen. Die Ausbilder beobachteten uns dabei und gaben wertvolle Tipps oder ermahnten uns, die Übungen sauber und ordentlich vorzubereiten und durchzuführen. Pausen gab es für uns nur, um mal kurz was zu trinken oder einen kleinen Snack zu essen.
Für Andrea endete der Ausflug nach Jüterbog dann jedoch vorzeitig. Bei einem Anhalten konnte sie das Kippen der Maschine nicht verhindern und stürzte. Dabei prellte sie sich unglücklich das Handgelenk. An ein Weitermachen war nicht zu denken. Frank hingegen drehte Runde um Runde, warf hin und wieder mal das Motorrad (vor Frust?) um und übte, bis ihm alle Knochen weh taten.
Zum Abschluss des Tages ging es dann nicht mit den Anderen zum Essen, sondern in die Klinik. Es sollte abgeklärt werden, ob evtl. mehr als eine Prellung vorlag. Der Arzt konnte uns Entwarnung geben. Dennoch musste Andrea aufgeben. Mit den Schmerzen im Handgelenk war ein Betätigen des Gashebels nicht möglich. Wolle, der Chef von ARLITT, hatte hierfür vollstes Verständnis und bot an, in einen späteren Kurs wieder einzusteigen.

Auch am dritten und letzten Tag in Jüterbog wurden die Grundfahraufgaben bis zum Erbrechen geübt. Enges Abbiegen aus dem Stand, dann um die Kurve tippeln. Einmal Schrittslalom bitte und dann Gefahrenbremsung aus 50 km/h. Außerdem noch Ausweichen und ordentlich anhalten. Schleifpunkt finden und halten, Gas geben, bremsen, schalten und wieder runterschalten. Volles Programm für Kopf und Körper. Irgendwann merkten alle Fahrschüler Muskeln und Knochen, von deren Existens wir gar nichts wussten.
Andrea musste hingegen das Ganze vom Spielfeldrand aus beobachten und war frustriert und traurig. Wäre es, wie bei normalen Fahrtrainings, um ein oder zwei Stunden gegangen, hätte Andrea sicher eine Schmerztablette genommen und wäre wieder aufgestiegen. Aber hier ging es um ca. 8-9 Stunden fahren und am nächsten Tag erneut. Das war einfach nicht machbar und sicherlich wäre es auch nicht gesund gewesen.
Während der Übungen wurden dann immer drei Fahrschüler herausgenommen, um eine Sonderaufgabe zu bekommen: das Schräglagentraining. Dank spezieller Stützrad-Konstruktionen konnten wir gefahrlos erfahren, welche Schräglage ein Motorrad erreichen kann, ohne zu kippen oder wegzurutschen. Hierzu sollten wir mit konstant 30 km/h einen recht großen Kreis in Schräglage fahren, dann sollten wir durch einen Lenkimpuls die Kreisbahn verkleinern und dadurch die Schräglage vergrößern. Nachdem wir so einige Runden gedreht hatten, sollten wir endgültig die Grenzen kennenlernen. Was kann ich machen, wenn ich zu schnell an eine zu enge Kurve heranfahre? Hier auf dem Flugfeld gab es keine Böschung oder Leitplanke, die Kurve bestand lediglich aus kleinen Gummihütchen. Daher sah die Übung vor, dass wir das Ganze auch mit 40 km/h versuchen, was nur dazu führte, dass wir aus der Kurve flogen. Dann wollte man uns etwas beibringen, was man gemeinhin für unmöglich und falsch hält: Wir sollten in der Kurve bremsen. Mit etwas Übung und viel Überwindung gelang es uns, diese Kurve mit Hilfe der Bremse auch noch bei 40 km/h zu meistern.
Den Abschluss in Jüterbog bildete dann die Gefahrbremsung aus höheren Geschwindigkeiten. Zunächst sollten wir auf 70 km/h beschleunigen und dann schnellstmöglich zum Stehen kommen. Natürlich dabei bitte nicht umkippen. Wer das schaffte, sollte oder durfte seine Geschwindigkeit um jeweils 20 km/h bis zur Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h erhöhen. Jetzt mussten wir uns höllisch konzentrieren und ja keine Fehler machen. Außerdem durften wir mal den Gashebel so richtig aufdrehen, denn mehr als in den 3. Gang sollten wir gar nicht schalten. Wie sagte Wolle immer: „Rechts mal richtig auf laut stellen.“


Stadtfahrten durch Berlin

Nach drei Tagen in Jüterbog ging es wieder nach Hause. Aber an Erholung war nicht zu denken. Denn jetzt ging es zu den Stadtfahrten durch Berlin. In einer Sackgasse wurden dabei immer die Grundfahraufgaben geübt und es wurden die späteren Prüfungsstrecken befahren. Dabei mussten wir jetzt neben der Beherrschung der Maschine auch den fließenden Verkehr und den Schilderwald Deutschlands beachten. Obwohl man schon seit fast 30 Jahren Auto fährt, ist es alles andere als einfach.


Klassenfahrt in den Frankenwald

Den Höhepunkt des Motorradkurses sollte die „Klassenfahrt“ in den Frankenwald bilden. Da fast alle Fahrschüler hierzu fahrtechnisch noch nicht bereit waren, wurde der Ausflug um einen Tag verschoben, um noch etwas Fahrpraxis erlangen zu können. Aber dann ging es auf die lange Tour. Neun Fahrschüler die abwechselnd fahren mussten und von vier Fahrlehrer betreut wurden, ging es zunächst über die Autobahn und später über kurvenreiche Landstraßen bis zur Bischofsmühle im Frankenwald. Dabei lernten wir neben dem Fahren auf der Autobahn vor allem die richtige Kurventechnik.


Prüfungsvorbereitung

Bevor es zur Prüfung gehen konnte, fehlte jetzt nur noch die Nachtfahrt. Doch zuvor gab es noch einmal ein ausführliches Gespräch. Dabei konnte man als Fahrschüler sich selbst einschätzen und Schwächen die man hatte benennen. Aber auch der Fahrlehrer gab einem eine Einschätzung zur Prüftauglichkeit und rät, ggf. zusätzliche Stunden für Übungen einzuplanen.
Da sich Frank vor allem beim engen Abbiegen und dem Schrittslalom noch unsicher fühlte, wurde vor der Nachtfahrt noch eine Übungseinheit mit den Grundfahraufgaben eingeschoben. Mit einer Eselsgeduld und zahlreichen Tipps konnte OJ die Schwächen bei Frank ausmerzen. Die anschließende Nachtfahrt verlief dann weitestgehend reibungslos, sodass einer Praxisprüfung nun nichts mehr im Wege stehen sollte.
Jetzt musste nur noch ein Termin bei der DEKRA gefunden werden.


Andrea steigt wieder auf

Wieder Fahrstunden in Jüterbog

Pünktlich zum 25.08.2025 war Andreas Handgelenk wieder fit und sie konnte in Jüterbog erneut mit dem Intensivkurs beginnen. Nun hieß es wieder sicher auf- und absteigen, anfahren und anhalten sowie Beherrschung über das Motorrad erlangen. Dazu gehört aber auch, sich auf der Maschine sicher zu fühlen. Daher sollten die Fahrschüler wieder freihändig fahren und dabei Lenkimpulse ausüben. Schnell wurde allen klar, dass das geht und das Motorrad nicht einfach umfällt. Dann ging es an die ersten Aufgaben. Gezielt zwischen zwei Hütchen abbremsen und punktgenau anhalten. Dazu am Ende der „Platte“ durch Drücken eng abbiegen und bitte die Blickführung nicht vergessen. Nach 8 Stunden auf dem Motorrad war endlich Schluss. Beim gemeinsamen Abendessen wurden noch einmal einige Eindrücke vom ersten Tag besprochen, bevor alle erschöpft in ihre Betten fielen.
Aber was wäre ein Intensivkurs, wenn es nicht intensiv wäre, und so ging es am zweiten Tag in Jüterbog wieder auf die Maschine. Das am Tag zuvor erlernte musste schließlich weiter gefestigt werden und weitere Übungen kamen hinzu. Unter anderem musste jetzt im Schritttempo gefahren werden. Wer wollte durfte sich auch gerne schon am Schrittslalom versuchen. Ebenso muss der Ausweichhaken sitzen. Nichts wäre schlimmer, wenn später vor einem eine Autotür aufgeht und man nicht weiß, was nun zu tun wäre. Oder man weicht zwar nach links aus, rauscht aber dafür in den Gegenverkehr. In Jüterbog haben die Fahrschüler den nötigen Platz, um in einem umfangreichen Parcours alle Grundfahraufgaben immer und immer wieder zu durchfahren. Die Fahrlehrer stehen dabei und geben Feedback und Tipps. Da Frank noch auf seinen Prüfungstermin wartete, nutzte er die Chance und stieg am Nachmittag ebenfalls auf ein Motorrad und reihte sich im Parcours ein, um sein Können zu verbessen. Erst am frühen Abend war Schluss und nach eimem leckeren Abendessen ging es mit schmerzenden Gliedern ins Bett.
Am letzten Tag in Jüterbog wurde der Pacour etwas verkleinert, da Platz für das Schräglagentraining benötigt wurde. Hierzu wurden mehrere Motorräder mit speziellen Stützrädern ausgestattet. So gerüstet sollten die Fahrschüler gleichmäßig mit 30 km/h in Schräglage einen großzügigen Kreis fahren. Sobald man sich daran gewöhnt hatte, sollte die Kreisbahn durch einen vehementen Lenkimpuls verkleinert und die Schräglage erhöht werden. Es kostet erstaunlich viel Überwindungskraft. Dabei geht es aber nicht darum, das Stützrad auf den Boden zu bekommen. Dies soll lediglich der Sicherheit dienen. Den Abschluss bildete wieder die Gefahrbremsung aus höherer Geschwindigkeit. Auf der „Platte“ ist hierfür genügend Platz und so kamen nach und nach die Motorräder mit über 100 Sachen angerauscht und die Fahrschüler gingen kräftig an die Bremsen, um schnellstmöglich zum Stehen zu kommen. Dann endlich hieß es, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. Immerhin war dies wieder einmal die beste Gruppe heute. Nach einem Abschlussgespräch sind alle entlassen worden und auch wir fuhren wieder nach Hause.


Andrea auf Klassenfahrt im Frankenwald

Wie gehabt, folgten am Donnerstag und Freitag die ersten Stadtfahrten. Nun musste auch Andrea sich durch den Berliner Stadtverkehr quälen und dabei ihr Wissen und Können mit der Maschine unter Beweis stellen. Natürlich wurden auch die Grundfahraufgaben geübt, da diese prüfungsrelevant sind. Nach der Fahrstunde am Freitag wurde ihr dann mitgeteilt, dass sie an der Klassenfahrt ab Mittwoch teilnehmen kann und zuvor weitere Fahrstunden haben wird. Mit gemischten Gefühlen fand sich Andrea somit am Mittwochmorgen in der Fahrschule ein. Vor allem der Fahrtwind auf der Autobahn und das zu erwartende Kurventraining bereiteten ihr etwas Sorge. Trotzdem freute sie sich auf den Ausflug in den Frankenwald, schließlich erwartete sie dort ein zauberhaftes Hotel mitten im Wald mit gemütlichen Zimmern und leckerem Essen. Die Klassenfahrt ist definitiv eine Belohnung für die vorherigen Strapazen.

Zwei Tage später konnte Frank seine Andrea wieder wohlbehalten abholen. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht und etwas geschafft von der langen Tour stand Andrea in der Fahrschule. Überraschenderweise stand nach der langen Fahrt für Andrea noch am selben Tag die Nachtfahrt auf dem Programm. Also ging es zum Sonnenuntergang wieder aufs Motorrad und ab durch die Stadt. Erst um ca. 21 Uhr war endlich Schluss. Jetzt ging es nur noch mit dem Zug nach Hause und dann schleunigst ins Bett. Zum Glück ging es am Freitag erst am Nachmittag wieder auf die Maschine, sodass Andrea in Ruhe ausschlafen konnte.
Nachdem sich Andrea beim ersten Mal in Jüterbog am Handgelenk verletzt hatte, wurde in der Notaufnahme beim Röntgen nichts festgestellt, sodass es sich nur um eine Prellung gehandelt haben soll. Nach gut 6 Wochen Ruhe schien auch alles wieder in Ordnung zu sein. Daher war es überraschend, dass bereits beim Fahrtraining in Jüterbog erneut Schmerzen auftraten. Die Stadtfahrten und die spätere Klassenfahrt konnte Andrea teils nur mit Schmerzmitteln bewältigen. Auch die zugegebenermaßen kurzen Ruhephasen dazwischen halfen nicht wirklich, um das Handgelenk zur Ruhe kommen zu lassen.


Endlich Prüfung - endlich bestanden

Endlich war es soweit, unsere Prüfungstermine standen fest. Kurz vor der Prüfung hatten wir noch einmal eine Fahrstunde. Hier konnten wir mit unserem Fahrlehrer ein letztes Mal die Dinge durchgehen, wo wir uns noch nicht ganz sicher fühlten. So übten wir auf einem abgelegenen Parkplatz immer wieder die Grundfahraufgaben, wie Slalom, Ausweichhaken und Gefahrbremsung, aber vor allem den fiesen Schrittslalom.
Auch mental unterstützte uns ARLITT hervorragend. Bei netten Gesprächen vor und nach den Übungsstunden, aber auch während der Fahrt wurde uns immer wieder versucht klarzumachen, dass uns die Prüfer nicht durchfallen lassen wollen. Sie suchen nicht nach Fehlern, um uns zu ärgern. Nein, sie wollen uns liebend gerne den Führerschein überreichen. Alles was wir dafür tun müssen, ist genau so zu fahren, wie wir es zuvor gelernt und in zahlreichen Fahrstunden bereits gezeigt hatten. Trotzdem kommt eine gehörige Portion Nervosität hinzu, denn jeder Fehler wird natürlich registriert und die Grundfahraufgaben kann man nicht beliebig oft versuchen. Dennoch freuten wir uns auf die Prüfung und waren von unserem Können überzeugt.
Zufällig hatten wir dann auch noch dieselbe Prüferin. So wurden wir zum Prüftermin von der netten Stefanie Heuer von der DEKRA begrüßt und mit ein bisschen Witz und lockeren Sprüchen ging es in die Prüfung. Obligatorisch wurden die Unterlagen (Fahrlehrerlizenz, Perso u. Fahrzeugschein) überprüft und dann wurde uns bereits auf den Rücken geklopft. Nein, wir hatten noch nicht bestanden, aber ein Check der Rückenprotektoren ist Pflicht. Dann ging es an den Technikcheck. Der ist zwar nicht prüfungsrelevant, es macht aber schon einen guten Eindruck, wenn man die Fragen beantworten kann. Also sollte man schon wissen, wo man den Ölstand prüft. Was kann man alles über die Kette und die Reifen sagen?
Nach dem ganzen Vorgeplänkel ging es in die Fahrprüfung. Zunächst stand ein wenig Stadtfahrt an, denn es musste ein geeigneter Platz für die Grundfahraufgaben angesteuert werden. Dabei ist zu beachten, dass der Prüfer uns nur sieht aber nicht hört. Daher muss man z.B. an jedem Zebrastreifen immer die Bremse betätigen und sich deutlich umsehen. Ebenso sollte man rechtzeitig nachfragen, ob man links oder rechts fahren soll, wenn es geradeaus nicht weitergeht. Hierzu spielt man einfach den Wackeldackel, dann erkennt der Prüfer, dass wir den weiteren Straßenverlauf erkannt haben und gibt über den Fahrlehrer die benötigte Anweisung. Eine weitere Schwierigkeit ist der Berliner Stadtverkehr: Egal wann, egal wo, ständig gibt es neue Baustellen und Verkehrszeichen und die Markierungen sind meist erst im letzten Moment eindeutig erkennbar. Auch ist so manches Mal unklar, ob die 30 km/h jetzt nur für die Baustelle gilt oder für den weiteren Straßenverlauf, da die Schilder seltsam aufgestellt sind. Wer also in Berlin besteht, kann bestimmt überall fahren!
In einem Industriegebiet hieß es für uns dann Grundfahraufgaben zeigen. Plicht in der Klasse A sind der Schrittslalom, die Gefahrbremsung sowie der ungebremste und gebremste Ausweichhaken. Zusätzlich werden noch der normale Slalom und das Anhalten (zweimal links, zweimal rechts) abverlangt. Wichtig dabei, nur bei drei Aufgaben hat man einen zweiten Versuch. Das Motorrad darf nicht abgewürgt werden, die Hütchen müssen stehen bleiben und es darf nicht der falsche Fuß oder beide Füße auf den Boden kommen. Ein absolutes Tabu ist, die Maschine umzuwerfen, denn das zählt als Unfall und Sachbeschädigung und die Prüfung ist sofort beendet.
Hat man die Grundfahraufgaben überlebt, geht es in den zweiten Teil der Fahrpraxis. Meist darf man bei einem Stück Überland und Schnellstraße auch mal richtig Gas geben. Aber bloß nicht übertreiben. Anschließend geht es wieder durch die Stadt zum Ausgangspunkt zurück. Dort angekommen meinte unsere Prüferin, dass wir hinten raus so schlimm gefahren sind, dass sie uns jetzt unsere Führerscheine abnehmen muss. Wie bitte? Was haben wir falsch gemacht?

Dann fing sie an zu grinsen und wir begriffen, dass wir unsere Prüfungen bestanden hatten. Prüferin und Fahrlehrer gratulierten uns herzlich und wir bekamen im Gegenzug unsere vorläufigen Nachweise der Fahrerlaubnis überreicht.

Die Originale kommen in ca. 3-4 Wochen per Post.


Unser Fazit: Der Motorrad-Intensivkurs bei ARLITT war körperlich und mental deutlich anspruchsvoller, als wir erwartet hatten. Gerade die Kombination aus intensivem Training auf dem Übungsplatz, den Stadtfahrten in Berlin und der gemeinsamen Klassenfahrt machte den Kurs aber zu einer außergewöhnlichen Erfahrung. Trotz Rückschlägen durch Andreas Verletzung haben wir unser Ziel erreicht und können den Intensivkurs allen empfehlen, die sich mehrere Wochen Fahrschule ersparen möchten und bereit sind, sich neun Tage voll auf das Motorradfahren zu konzentrieren.

Das hat uns am Intensivkurs gefallen

  • intensives Training
  • Übungsplatz ohne Straßenverkehr
  • kleine Lerngruppen
  • engagierte Fahrlehrer
  • Schräglagentraining
  • Klassenfahrt

Würden wir ARLITT weiterempfehlen?

Ja.

Warum?

  • gute Organisation
  • motivierte Fahrlehrer
  • intensives Üben
  • realistisches Training
  • gute Prüfungsvorbereitung

06 - Fußboden & Dämmung

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