12 Juli 2026

05 - Rost, Rost, Rost

Dass ein Auto aus dem Jahr 1995 Roststellen hat, war mir von Anfang an klar. Und bei der Suche nach dem richtigen Basisfahrzeug hatte ich Fahrzeuge gesehen, bei denen nur noch der Lack alles zusammengehalten hat. Bei vielen war auf den ersten Blick erkennbar, dass ich um einen umfangreichen Werkstattbesuch nicht herumkommen würde. Es hätten neue Bleche eingeschweißt werden und somit eine neue Lackierung sein müssen.

Auch mein neuer Bulli hatte Roststellen. Der Verkäufer hat diese auch gar nicht erst verheimlichen wollen. Aber es waren nur kleine unbedeutende Stellen und ich war mir sicher, diese leicht ausbessern zu können. Da es mir nicht um einen perfekten Außenlook ging - Schrammen wird er mit der Zeit ohnehin bekommen - dürfen später ausgebesserte Stellen ruhig erkennbar sein.

Ich war mir daher bewusst, dass ich unter dem Bodenbelag und hinter den Verkleidungen wohl auf weiteren Rost stoßen werde. Da äußerlich nichts zu sehen war, befürchtete ich aber, nichts Wildes zu finden.

Beim Ausbau der Sitze konnte ich auch nur Rost an den Schrauben feststellen und auch als der Bodenbelag weg war, war offenbar nur oberflächlicher Rost vorhanden. Nur bei beiden Radkästen entdeckte ich Lackablösungen. Da diese auf beiden Seiten existierten und der Bereich sich nicht nach Blech anhörte, nahm ich an, dass ich die Ablösungen einfach entfernen kann und dann neu lackiere. Ich vermutete, dass hier Schraubenköpfe zum Schutz abgedeckt und später überlackiert wurden. Doch als ich vorsichtig die losen Bestandteile entfernen wollte, konnte ich plötzlich den Straßenbelag und den Reifen sehen. Oh mein Gott! Wie es scheint war hier bereits das Blech durchgerostet und die Stellen wurden mit einem Spachtel oder Ähnlichem verschlossen und reprofiliert.

Dies war einer der Tage, an denen ich an dem ganzen Projekt zweifelte. Wie schlimm sind die Stellen? Gibt es noch mehr davon? Wie soll ich das bloß reparieren? Schleifen und lackieren traute ich mir zu, aber hier mussten neue Bleche eingeschweißt werden. Ich habe weder ein Schweißgerät, noch kann ich schweißen. Es hilft also alles nichts. Damit musste ich in eine Werkstatt. Derartige Rostschäden sollten ein Profi beheben. Nur so ist sichergestellt, dass der Rost vollständig beseitigt und die Karosserie wieder stabil ist. Zum Glück fand ich eine Werkstatt, die mir nicht gleich Unsummen abknöpfte.

Nachdem die Löcher fachgerecht repariert waren, konnte ich mich um den restlichen Rost kümmern. Abgesehen vom Boden konnte ich keinen Rost feststellen, sodass es ausreichen dürfte, nur den Boden mit Rostschutz zu behandeln. Als erstes reinigte ich den kompletten Boden, um die Roststellen leichter identifizieren zu können. Den oberflächlichen Rost konnte ich leicht mit einem Schleifschwamm entfernen. Grobere Stellen bearbeitete ich mit einen Drahtaufsatz für die Bohrmaschine. Nachdem alle Roststellen schön blank waren, trug ich zur Sicherheit einen Rostumwandler auf. Für den Anstrich musste nun der Boden einmal komplett angeraut, sprich angeschliffen, werden. Wegen der Form des Bodens war dies nur mit einem Schleifschwamm von Hand möglich. Also, ab auf die Knie und schleifen, schleifen, schleifen. Nach rund zwei Stunden waren die Arme lahm und der Boden endlich angeschliffen. Jetzt musste aber der Schleifstaub vollständig entfernt werden. Zunächst wurde der Boden gefegt und dann mit Wasser und Schwamm gründlich gereinigt. Zuletzt wurde mit einem Silikonentferner auch das letzte bisschen Fett entfernt. Nun fehlte noch das Abkleben, dann konnte die erste Lackschicht aufgetragen werden. Auch hierfür musste ich auf einen Pinsel zurückgreifen, da es mit Rolle unmöglich war. Am dritten Tag und nach einer zweiten Lackschicht war es vollbracht. Der Boden erstrahlte in neuem Glanz und alle Roststellen waren vor neuem Rost geschützt.

Während der Trocknungsphasen kümmerte ich mich schon mal um eine der äußeren Roststellen. Nach der Entdeckung im Innenraum schwante mir zwar Böses, aber es musste ja sein. Doch als ich mit dem Drahtaufsatz den Rost entfernte, stieß ich sofort auf blankes Blech. Der Schaden war also überschaubar. Eine Schicht Rostschutzlack sollte neuen Rost verhindern. Dann folgte ein Füllerspray, das die schlimmsten Unebenheiten ausglich. Anschließend folgten Farb- und Klarlack in dünnen Schichten und die Stelle war zu meiner Zufriedenheit nachgebessert.

Ich schätze, dass kann sich sehen lassen. Nach diesem Abendteuer war ich doch wieder von dem Projekt überzeugt. Als nächstes sollte der neue Lack im Innenraum geschützt werden. Daher sollte nun der Boden eingebaut werden.

06 Juli 2026

04 - Die Entkernung

Das Auto war da, also konnte endlich mit dem Umbau begonnen werden. Nun gut, treten wir mal auf die Bremse. Denn vor dem Umbau kommt der Abriss bzw. die Entkernung. Das Fahrzeug muss auf den Rohbau zurück.

Neben den Sitzbänken im Fond und dem Regal im Kofferraum mussten die Seitenverkleidungen und der Bodenbelag raus. Den Fahrerbereich ließ ich zunächst unangetastet, sodass das Auto fahrbereit blieb. Als Sitze und Bodenbelag entfernt waren, tauchten unzählige Kabel auf. Wofür sind die? Werden sie noch benötigt? Da leider Beschriftungen fehlten, blieb nur suchen.

Viele der Kabel endeten unter dem Fahrersitz, wo sich eine Zusatzbatterie befand. Offenbar wurden damit zuvor die technischen Gerätschaften versorgt, denn die anderen Enden der Kabel hingen hinter der Verkleidung in der Luft. Kurzerhand kam der Seitenschneider zum Einsatz und ab waren die lästigen Kabel. Andere waren weniger eindeutig. Hier musste etwas länger gesucht werden.

Als schließlich auch die Deckenverkleidung herunter war, konnten auch die letzten Kabel zugeordnet und die nicht benötigten entfernt werden. Nur ein Kabel machte mir Sorgen. Seine Herkunft konnte ich nicht zweifelsfrei bestimmen. Ich vermutete, dass es zur Heckscheibenheizung gehörte. Allerdings war es an der Zusatzbatterie angeschlossen und nirgends war ein Schalter hierfür zu finden. Tja, so ist es, wenn man keine Neuware kauft. Also blieb es vorläufig isoliert und aufgerollt im hinteren Bereich hängen.

Neben den Kabeln wurde auch gleich die Zusatzbatterie ausgebaut. Mit nur 50 Ah und zudem eine AGM-Batterie ist diese für meine Pläne ungeeignet. Mir schwebte eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie - kurz LiFePO4 - mit mindestens 200 Ah vor. Auch die nutzlosen Lautsprecher im Heck, die Funktechnik und die Verkabelung der Sondersignalanlage wurden ausgebaut.
Die Kabel und Kleinteile wurden direkt entsorgt. Der Bodenbelag sowie die Verkleidungen wurden zunächst aufgehoben. Sie sollten später als Schablonen für die Bodenplatten und die neuen Verkleidungen dienen.

Nun, da die Entkernung abgeschlossen war, konnte endlich Maß genommen werden. Endlich war klar, welche festen Einbauten zu berücksichtigen sind. Und im Kopf entstand schon der Einbau: Bett, Schrank, Küche - alles muss hineinpassen. Stromversorgung und Toilette sollten auch nicht fehlen. Irgendwo müssen der Kocher und eine Kühlbox hin. Eine Spüle wäre schön. Also messen, messen, messen! Wie breit sind die Schiebetüren? Wie viel Platz ist zwischen den Radkästen? Und wie hoch ist überhaupt der Innenraum?

Leider war die Entkernung nicht nur der Beginn des Ausbaus. Sie war auch der Beginn der Zweifel. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag.

05 - Rost, Rost, Rost

Dass ein Auto aus dem Jahr 1995 Roststellen hat, war mir von Anfang an klar. Und bei der Suche nach dem richtigen Basisfahrzeug ha...